Schon mehrmals habe ich sie bei Blogeinträgen erwähnt. Wer schon länger meinen blog liest, erinnert sich vielleicht.
Für diejenigen, die neu dazugekommen sind, noch mal eine kurze Zusammenfassung.
Vor fast 40 Jahren sind wir als Familie, mit zwei kleinen Kindern, (9 Monate, und 1 Jahr und 9 Monate alt) als Missionare nach Kamerun gegangen. Meine Aufgabe war, in einer Schule für Hauswirtschaft zu unterrichten. Eine Aufgabe mit vielen Herausforderungen. Nach kurzer Zeit hatten wir ein afrikanisches Mädchen, ein kleines Baby von 6 Wochen, aufgenommen. Ihre Mutter, ein 16 jähriges Mädchen, starb bei der Geburt. Normalerweise werden diese Babies im Urwald ausgesetzt und den Tieren überlassen, weil in der Gegend, aus der sie kommt, Zauberei und Aberglaube die Menschen beeinflusst.
Ihre Großmutter hatte Mitleid und brachte sie zu Kollegen, zu einer Missionsstation. Während eines Besuchs bei dieser Familie, die in dieser abgelegenen Gegend eine Krankenstation aufgebaut hatten, und zu ihren zwei eigenen, schon zwei weitere Kinder angenommen hatten, habe ich die kleine Bernice sofort ins Herz geschlossen und wir haben sie mitgenommen. So wuchs sie die ersten Lebensjahre bei uns auf, sprach Deutsch und Pidginenglisch.
Als dann unsere 3. Tochter, Rebekka, geboren wurde und 3 Tage nach der Geburt Neugeborenenkrämpfe bekam, die lebensbedrohlich waren, eine medizinische Versorgung in Kamerun nicht möglich war, mußte ich mit ihr so schnell wie möglich nach Deutschland fliegen. Zurück blieben mein Mann und meine drei Mädels. Ich wußte sie in guten Händen.
Nach 4 Monaten intensiver Behandlung hatte ich den Rückflug nach Kamerun gebucht, um meine Lieben dort wiederzusehen. Durch einen erneuten Rückfall war es nicht möglich den Flug anzutreten.
So mußten auch mein Mann und die Kinder, schweren Herzens, Kamerun verlassen.
Da es für uns als Ausländer in Kamerun noch kein Adoptionsgesetz gab, hatten wir keine Wahl Bernice mitzunehmen. Wir hätten sie damals für ein Jahr mit nach Deutschland nehmen können, aber dann hätte sie allein, im Alter von 5 Jahren, wieder zurück geschickt werden müssen. Das war für uns keine Option. Sie zu ihrem alten Vater, damals mit 5 Frauen, in ein abgelegenes Urwalddorf, 4 Stunden Fußmarsch zur nächsten Strasse, zurückzuschicken, war undenkbar.
Was tun? Mein Mann und ein Kollege fanden dann ein junges, afrikanisches Ehepaar, die sie gerne aufnehmen wollten.
So kam Bernice im Alter von 5 Jahren zu diesem Paar. Sporadisch hörten wir immer wieder mal, dass es ihr in dieser Familie, die später noch 5 eigene Kinder hatten, sehr gut geht. Diese Nachrichten machten es mir ein wenig leichter den Trennungsschmerz zu ertragen. Zum Andern kam hinzu, dass ich immer wieder um ihren Schutz beten konnte und darüber Frieden fand. Gott, der dafür gesorgt hat, dass sie am Leben blieb, wird auch weiter für sie sorgen.
Einmal hatten wir die Gelegenheit, als sie ca. 20 Jahre alt war, sie kurz in Afrika zu treffen. Danach verlor sich ihre Spur, nachdem sie kurz darauf geheiratet und einen andern Namen hatte.
Vor ein paar Tagen hat sie durch "Zufall" oder Fügung, den Namen meines Mannes bei einem Bekannten von ihr, im Internet gesehen und erinnerte sich. So konnte sie gleich den Kontakt über Internet herstellen. Die Freude war auf beiden Seiten riesengroß, nach so langer Zeit wieder in Kontakt zu kommen.
So gibt es so vieles auszutauschen. Über WhatsApp und facebook sind wir nun ständig in Verbindung. Sie ist so glücklich über ihre ersten Lebensjahre, von denen sie kaum Erinnerungen hat, zu erfahren.
Und sie bestätigt mir immer wieder, dass sie in ihrer Familie, wie ein eigenes Kind angenommen und aufgewachsen ist. Und berichtet nur Positives von ihren Eltern und Geschwistern.
Sie selber sagt: "God had a plan for my life and he cared for me. So I am very happy."
Gott hat einen Plan für mein Leben und er hat mich beschützt. Ich bin so glücklich. Ich bin so reich beschenkt und habe so viele Geschwister, einige, die sie nun neu kennenlernen kann.
Sehr oft habe ich mich mit der Frage auseinandergesetzt. Was wäre aus Bernice geworden, hätten wir sie nach Deutschland mitnehmen können? Wie geht es Kindern, die in zwei sehr unterschiedlichen Kulturen aufwachsen? Die sogenannten Third Kulture children. Was macht das mit ihrer Identität? Fragen über Fragen. Ich habe keine Antwort, weil ich keinen Vergleich habe.
Hätte Bernice sich auf Dauer in Deutschland wohlgefühlt?
Nun zu hören, dass ihre Kindheit und ihr Erwachsen werden so einen guten Verlauf genommen hat, bestätigt mir, dass es ein guter Plan für ihr Leben ist. Und dass Gott aus einem Leben, das dem Tod geweiht war, einen fröhlichen und dankbaren Menschen machen kann.
Gott schreibt wirklich auf krummen Zeilen gerade.
Herzliche Grüße Elisabeth




Liebe Elisabeth,
AntwortenLöschendie Worte auf Deinem Blog tun mir gerade uuuuunglaublich gut!
Danke für diese nette Ermutigung!
Liebe Grüße,
Tina
Hallo Tina, Ich hatte den Eintrag noch mal geändert. Mit der englischen Übersetzung hat nicht so gut funktioniert.
LöschenHallo Tina. Der Beitrag sollte noch gar nicht veröffentlicht werden. Ich war noch mitten im Schreiben, als mich ein Anruf erreichte, muss wohl Ausversehen auf den falschen Button gekommen sein.
AntwortenLöschenDer Anlass zu diesem Post ist, dass ich nach vielen Jahren mit unserm Pflegekind in Kontakt gekommen bin und wir seit einer Woche täglich telefonieren. Sie lebt noch in Kamerun, wo wir sie vor 32 Jahren zurücklassen mussten. Durch das Telefonat bin ich mitten im Satz unterbrochen worden. Dieser Post ist ihre Geschichte, die nun ein paar Kapitel weitergeschrieben werden kann.
Da sie an der Geschichte beteiligt ist, versuche ich halt auch in Englisch zu schreiben, damit sie daran teilhaben kann.
Wenn der Beitrag nun unvollständig auf den Weg ging, und dich erreicht hat, sollte es wohl so sein. Ich werde jedenfalls an der Geschichte weiterschreiben.
Eine gute Nacht wünscht Elisabeth
es ist eine wirklich bewegende Geschichte
AntwortenLöschenes freut mich sehr dsas ihr euch wieder gefunden habt
liebe Grüße
Rosi