Mittwoch, 14. September 2016

Schattenkinder

Zum ersten Mal bin ich über den Begriff "Schattenkinder" gestolpert. In einer Zeitschrift habe ich einen Artikel darüber gelesen.
Mit der Thematik beschäftige ich mich schon seit über 30 Jahren. Darum fand ich es interessant mehr darüber zu erfahren.

Als Schattenkinder bezeichnet man Geschwister, die entweder mit einem schwerkranken Bruder oder Schwester aufwachsen, oder solche, die Geschwister durch frühzeitigen Tod verloren haben.

In diesem Artikel konnte ich mich in vielen Aussagen wiederfinden.

Mit der Geburt unserer 3. Tochter hatte ich auf einen Schlag 3 Schattenkinder. Das Baby auf meinem Arm wurde in Afrika geboren und bekam schon am dritten Tag Neugeborenenkrämpfe, eine lebensbedrohliche Erkrankung, die selbst bei unserer hervorragenden medizinischen Versorgung in Deutschland intensiver Behandlung bedarf.


Da in Afrika keine Behandlung möglich war, musste ich innerhalb kürzester Zeit nach Deutschland fliegen. Meine drei Schattenkinder von einem Moment auf den andern, in Afrika zurücklassen. Ich wußte, sie waren bei meinem Mann in guten Händen. Es war gut, nicht zu wissen, dass ich zwei von ihnen erst nach 4 Monaten wieder in die Arme schliessen kann und unser afrikanisches Pfegekind, das ich ab der 6. Lebenswoche wie mein eigenes Kind angenommen hatte, an diesem Abschiedsmorgen, für immer lebe wohl sagen würde. Für Ausländer gab es seinerzeit noch kein Adoptionsgesetz. Dieses Kind wurde ja schon durch den Tod seiner Mutter bei der Geburt mit den Schattenseiten des Lebens konfrontiert. Nun wurde sie unfreiwillig zum Schattenkind. Natürlich habe ich mich oft gefragt: "Was hätte ich anders machen können?" In einem früheren Post habe ich über ihr weiteres Leben berichtet.
  H I E R   findet ihr ihre Geschichte

Weil Rebekka, durch ihre Krankheit bedingt, immer volle Aufmerksamkeit abverlangte und ständig überwacht werden mußte, vieler Therapien bedurfte und in vielen alltäglichen Dingen, Hilfestellung brauchte, hatte ich oft das Gefühl, meinen andern beiden Kindern nicht gerecht zu werden.
"Was macht das Zukurzkommen mit ihnen?" Obwohl wir immer bemüht waren, ein normales Familienleben zu führen, hieß es aber auch, trotz aller Bemühungen, für unsere beiden "Großen", dass sie auf so Manches, was für andere selbstverständlich wäre, verzichten zu müssen.
Ganz bewusst entschieden wir uns für ein viertes Kind, damit unser krankes Kind, nicht so im Fokus ist. Es war eine gute Entscheidung.
Unsere jüngste Tochter übernahm als Schattenkind oft die Rolle einer größeren Schwester, obwohl sie fast vier Jahre jünger war.

H I E R     könnt ihr noch mal nachlesen, was aus Rebekka geworden ist.


Inzwischen sind meine vier Mädels erwachsen und leben auf der Sonnenseite ihres Lebens. Wann immer sie mal alle zusammen sind, was leider nicht so oft vorkommt, weil eine von ihnen auf der andern Seite der Erdkugel lebt, sind sie ein Herz und eine Seele.


Obwohl als Schattenkinder aufgewachsen, sind sie selbstbewußte, starke Frauen geworden, die mit beiden Beinen im Leben stehen.


Wer den Schatten nicht kennt, weiss die Sonne nicht zu schätzen.
 Es grüßt euch herzlich Elisabeth

3 Kommentare:

  1. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  2. man sieht deinen Kindern an dass sie selbstbewußte fröhliche Frauen geworden sind..
    Geschwister können sich gegenseitig viel Halt und Hilfe geben wenn es den Eltern manchmal durch widrige Umstände nicht so gegeben ist
    ich denke da hat es nur ein "Schattenkind" viel schwerer..
    liebe Grüße
    Rosi

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  3. Sehr bewegend. Erzählt so viel von Euerm Glauben.
    Bin sehr berührt.
    Liebe Grüße,
    Tina

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