Jedes Jahr frage ich mich erneut, was ist mit den Frauen, deren Kinderwunsch nicht erfüllt wurde oder mit den Kindern, die ohne Mutter aufgewachsen sind.
Ich möchte heute diejenigen ansprechen, die den Muttertag als sehr schmerzlich erleben. Diejenigen, die ihre Mutter schon früh verloren haben, oder vielleicht gar nicht kennengelernt haben. Die deswegen vielleicht sehr traurig sind.
Für einige Jahre durfte ich so ein mutterloses, Mädchen begleiten. Meine ganze Fürsorge und Liebe ihr schenken.
Ein kleines Baby, dass ihre Mutter, ein 16 jähriges Mädchen, gleich nach der Geburt verloren und nie kennengelernt hat. Geboren wurde es in einem Buschdorf, im afrikanischen Regenwald. Der Vater, ein älterer Mann, hatte noch fünf andere Frauen, die sich um dieses kleine Baby nicht kümmern wollten. Babynahrung ist dort nicht zu bekommen und stillende Frauen würden kein fremdes Kind anlegen, aus Angst, ihre eigenen Kinder würden sterben. Normalerweise werden in ihrem Stamm mutterlose Babies in den Wald getragen und den wilden Tieren überlassen. Die Oma brachte Bernice Ekenkoh Menkematoh, so hieß die Kleine, dann aber doch zu Freunden von uns, damit sie eine Überlebenschance bekam. Als sie gerade mal 6 Wochen alt war, haben wir sie in unsere Familie aufgenommen.
So durfte ich für fünf Jahre ihre Mutter sein. Deutsch war ihre Muttersprache als zweites Pidginenglish. Später lebte sie im französischsprechenden Teil von Kamerun.
Als ich dann ein paar Tage nach der Geburt unserer 3. Tochter, die sterbenskrank war, urplötzlich nach Deutschland abreisen und meinen Mann mit unsern beiden Töchtern und Bernice zurücklassen mußte, war Bernice wieder mutterlos. Leider gab es zu der Zeit für Ausländer kein Adoptionsgesetz, und mein Mann und die Mädels mußten sie, im Alter von 5 Jahren, in Afrika zurücklassen, als sie ein paar Monate später auch nach Deutschland kamen.
Für mich war es eine sehr schmerzhafte Erfahrung. Hatte ich sie doch angenommen wie mein eigenes Kind.
Die Umstände konnte ich nicht ändern, an ein Zurück nach Afrika war, aus gesundheitlichen Gründen unserer Tochter, nicht zu denken. Um mit der Trennung fertig zu werden half es mir, Bernice dem Guten Hirten anzubefehlen, der auf sie besser aufpassen kann, als ich es je könnte. So habe ich in meiner Trauer für sie gebetet und sie immer wieder unter Gottes Schutz gestellt. Der Vers aus den Psalmen hat mir immer wieder Trost gegeben: "Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich beschützen Tag und Nacht." Wie oft habe ich mich danach gesehnt, sie in den Arm nehmen zu können.
Dies war das Abschiedsfoto aus Afrika, an dem Tag aufgenommen, als ich mit meiner Tochter Rebekka, gerade mal neun Tage alt, nach Deutschland flog.
Gott hat es gut mit Bernice gemeint. Sie kam in eine liebevolle afrikanische Familie, in der sie aufwachsen konnte.
Als sie 20 Jahre alt war, haben wir sie nochmal in Afrika besucht. Sie war so dankbar, dass sie so einen guten Start ins Leben hatte. Das letzte was ich von ihr gehört habe ist, dass sie geheiratet hat. Leider haben wir uns aus den Augen verloren. Sie ist inzwischen auch schon eine erwachsene Frau.
Wenn du auch mutterlos aufgewachsen bist, möchte ich dir heute Mut machen, nicht auf die Umstände zu schauen, die du nicht ändern kannst.
Vielleicht kannst du dich auch dem Guten Hirten anvertrauen , der besser trösten kann , der dich besser versteht , als je eine Mutter es könnte.
In der Bergpredigt heißt es: Gott segnet die, die traurig sind, denn sie sollen getröstet werden. Das findest du in der Bibel in Matthäus 5,4
Diesen Trost möchte ich dir weitergeben, falls du auch mutterlos aufgewachsen bist. Und ich wünsche, dass dieser Trost diejenigen erreicht, die diesen Trost besonders brauchen.
Ganz herzlich grüßt euch Elisabeth



Ich bin zutiefst getroffen und berührt von Deiner Geschichte.
AntwortenLöschenWie traurig es ist mutterlos zu sein und wie Gott auch aus traurigen Geschichten ein gutes Ende formen kann.
Diese sehr bewegende Geschichte werde ich im Herzen bewahren und dankbar sein für meine Mama.
Herzliche GRüße,
Tina
Deine Geschichte ist wirklich rührend.
AntwortenLöschenAlle Meschen, die mit einer Mutter aufwachsen können, sollten unendlich dankbar dafür sein.
Der Text regt wirklich zum Nachdenken an.
Ich wünsche dir noch einen schönen Tag und ich würde mich freuen, wenn du mal bei mir vorbeischaust.
Liebe Grüße,
Laura von lauraskreativecke