Zwei schweizer Hebammen haben uns beide
Die Hebammen schickten uns in ein abgelegenes Krankenhaus, mitten im Urwald. Vier Stunden Autofahrt auf ausgefahrenen Pisten, weil sie hofften, dass der Schweizer Arzt dort weiterhelfen könnte. Die staatlichen Krankenhäuser hatten seinerzeit einen sehr schlechten Ruf.
Wir verbrachten vier Tage in dieser Klinik. Mein Mann und ich haben uns ein 70 cm breites Bett geteilt, aber das hat mich davor bewahrt in einem Schlafsaal unterzukommen. Für unser leibliches Wohl mußten wir selbst sorgen. Trotz Behandlung verschlechterte sich der Zustand von Rebekka. So riet man uns, so schnell wie möglich, nach Deutschland zu fliegen, das hieß die Piste wieder zurückzufahren, spät in der Nacht die Koffer packen, um den nächsten Flug zu organisieren. Es brauchte viel Überredenskunst, die Angestellten der Fluggesellschaft zu überzeugen, ein todkrankes Kind, ohne ärztliche Begleitung, auf die weite Reise mitzunehmen.
Wir suchten dann einen befreudeten Arzt in der Stadt auf, der einen Krankenwagen organisierte, um einen Kinderarzt aufzusuchen.
In Genf hatten wir Zwischenlandung. Eine Bekannte, die ich zufällig im Flugzeug traf, und mir eine große Hilfe war, wurde in Genf abgeholt. Ich suchte während des kurzen Aufenthaltes eine Notversorgung auf. Die Krankenschwester hat uns gleich in die Uniklinik in Genf geschickt. Nach Deutschland würde die Zeit zum Überleben nicht mehr reichen.
Am meisten hat mich erschüttert, dass 7 Ärzte herbeigerufen wurden, aber keine Behandlung angefangen wurde, bevor die Kostenfrage nicht geklärt war. Ein Freund dieser Bekannten, der sie am Flughafen abgeholt hatte, war mit ins Krankenhaus gekommen und hat zunächst für alle anfallenden Kosten gebürgt. So konnte die notwendige Behandlung endlich beginnen.
Der Unterschied vom Buschkrankenhaus und der hightec Intensivstation war so krass, kaum auszumalen.
Drei Tage später war Rebekka soweit stabilisiert, dass ich nach Deutschland weiterfliegen konnte. So kam sie vom Flug direkt in die Kinderklinik, wo sie für einige Monate bleiben mußte.
Mir der Diagnose, mehrfach schwerstbehindert wurde sie dann entlassen.
Heute ist sie 30 Jahre alt geworden. Vor einigen Tagen sagte sie zu mir: "Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so alt werde." Ihr ist immer bewußt, dass ihr Leben an einem seidenen Faden hing.
Darum genießt sie jeden Geburtstag in dem Bewußtsein, dass sie leben darf.
Wer von euch noch interessiert ist, kann in einem früheren Post erfahren, was aus ihr geworden ist. Ich hatte sie euch schon mal vorgestellt. H I E R
Jetzt noch ein aktuelles Geburtstagsfoto von heute.
Wenn das kein Grund zum Feiern ist. Am Samstag steigt die große Party.
In all den Jahren hat sie unser Leben so reich beschenkt.
Für heute soll's genug sein.
Liebe Grüße Elisbeth
